Produktivgenossenschaften – was ist das eigentlich?
Zuerst eine einfache Definition von Worker Coops: Eine Worker Coop ist ein von den Mitarbeitenden geführtes Unternehmen in der Rechtsform einer eingetragenen Genossenschaft (eG). Häufig wird sie auch als Mitarbeitendengenossenschaft oder Produktivgenossenschaft bezeichnet.
Aber wenn ihr lieber eine komplizierte Definition möchtet an der ihr euch abarbeiten könnt, hier ein Vorschlag:
Wir verstehen Produktivgenossenschaften als ein von Menschen gestaltetes und dynamisches Gebilde. Diese sozialwissenschaftliche Perspektive folgt der Herangehensweise von Schulz-Nieswandt (2023) und betont, dass Produktivgenossenschaften keinem statischen Zustand unterliegen. Vielmehr werden Form und Inhalt der Produktivgenossenschaft während der gesamten Lebensspanne durch die Mitglieder sowie externe Rahmenbedingungen kontinuierlich beeinflusst. Dadurch ergibt sich die Herausforderung, eine eindeutige Definition zu formulieren, da in der Praxis stets Abweichungen vom idealtypischen Modell zu erwarten sind.
Um dieser Vielfalt gerecht zu werden, versuchen verschiedene Autor*innen, die unterschiedlichen Ausprägungen von Produktivgenossenschaften zu systematisieren. Während Flieger (1999) elf Sozialformen von Produktivgenossenschaften identifiziert, die sich je nach Marktbedingungen unterscheiden und flexibel anpassen, beschreibt Velásquez fünf Typen von Produktivgenossenschaften. Eine weitere methodische Herangehensweise bieten Schulz-Nieswandt (2023), Blome-Drees und Moldenhauer (Blome-Drees/Moldenhauer 2021) mit dem Modell des morphologischen Kastens, das die Bewertung verschiedener Merkmalsausprägungen ermöglicht. Diese unterschiedlichen Klassifikationsansätze verdeutlichen den anhaltenden Definitionsdiskurs über Produktivgenossenschaften, der nach Flieger und Beywl (1993) nicht nur ideologisch, sondern auch durch wirtschaftliche Realitäten geprägt ist.
Produktivgenossenschaften sind Genossenschaften, in denen die Mitarbeitenden auch Mitglieder sind, also die im Betrieb Beschäftigten gleichzeitig dessen Eigentümer*innen sind (Engelhardt 1985). Sie basieren auf den allgemeinen genossenschaftlichen Prinzipien, weisen jedoch spezifische Merkmale auf, die sie von anderen Genossenschaftsformen unterscheiden (Flieger 1996). Im Kern verfolgen sie vier zentrale Findet mehr über die Prinzipien: das Identitätsprinzip, Förderungsprinzip, Demokratieprinzip und Solidaritätsprinzip.
Das Identitätsprinzip beschreibt die doppelte Rolle der Mitglieder, die sowohl Arbeitnehmende als auch Arbeitgebende sind. In der Praxis kann dies verschiedene Formen annehmen, etwa durch eine vollständige Eigentümerschaft der Mitarbeitenden, ein Vetorecht bei bestimmten Unternehmensentscheidungen, eine reine Kapitalbeteiligung oder durch die Teilnahme an der Generalversammlung, in der auch weitere Mitgliedergruppen stimmberechtigt sein können.
Wir unterscheiden derzeit vier Stadien:
- Mitarbeitende sind Mitglieder und verfügen über die Stimmenmehrheit (Mind. 51% der MA sind Mitglieder)
- Mitarbeitende sind Mitglieder und besitzen erweiterte Entscheidungskompetenzen auf Grundlage der Satzung
- Mitarbeitende sind Mitglieder und üben erweiterte Entscheidungskompetenzen durch Governance-Strukturen aus
- Unternehmen/Organisationen, die künftig eine Worker Coop werden möchten
Wir sind damit noch nicht ganz fertig. Teile deine Gedanken oder Ideen jederzeit mit uns – wir freuen uns darüber.